Kaneza im Interview: Alles was ich tue ist ein Gottesdienst

May 1, 2015
Posted by:Kaneza.org

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Es ist ein warmer Junitag. Wir haben uns mit der Gründerin der Kaneza Initiative verabredet. Dieses Mal soll es nicht um Arbeitsaufträge gehen. Wir möchten mit ihr reden – über das was sie als Mensch bewegt und woran sie glaubt.  Und vor allem interessiert uns zu wissen warum sie tut was sie tut, und wie sie es tut. Wir erkennen sie an ihren schnellen Gang, der langsamer wird als sie uns sieht. Kurze Zeit später sitzt sie neben uns. Das Interview mit Elisabeth Kaneza kann losgehen.

Kaneza Initiative: Elisabeth, danke für das Interview. Woher kommst du denn gerade?

Elisabeth: Ich komme von einem Termin. Davor war ich im Büro. Gerade musste ich noch mit einer Referentin die letzten Fragen für unsere nächste Veranstaltung telefonisch klären.

Kaneza Initiative: Sieht so dein normaler Tag aus: Büro, Termine, Telefonate?

Elisabeth: Ja, ich habe einiges zu tun und wünsche mir oft, dass der Tag mehr Stunden hat. Es gibt aber auch ruhigere Tage. Am Wochenende versuche ich Ruhezeiten einzuplanen.

Kaneza Initiative: Wir wissen, dass der Sonntag für dich ein besonderer Tag ist.  Welche Rolle spielt dein Glaube in deinem Leben?

Elisabeth: Eine sehr große Rolle. Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Gott war und ist allgegenwärtig in unserem Alltag. Ganz prägend für mich sind christliche Werte wie Nächstenliebe, Verantwortungsbewusstsein für sich und andere. Am Sonntag nehme ich mir Zeit für meinen Glauben. Es ist ein Tag der Meditation und Reflektion. An Sonntagen bin ich auch gerne in der Gesellschaft meiner Freunde und Familie. Wenn ich etwas tue, tue ich es im Glauben an Gott. Das gilt auch für meine Aktivitäten, besonders mein Engagement verbinde ich mit meinen christlichen Werten. Es ist daher für mich alles ein Gottesdienst.

Kaneza Initiative: Das heißt, dass du vieles mit Gott ausmachst?

Elisabeth: Ja. Ich bete für Segen und Kraft. Nach vielen Stunden Arbeit bin ich zwar immer noch überzeugt, dass das abendliche Gespräch mit euch wichtig ist. Aber auch meine Kräfte sind begrenzt. Es hilft sehr zu wissen, dass ich in meinen Bemühungen nicht alleine bin und dass Gott da ist. Das gibt mir Kraft.

Kanez Initiative: Du trinkst keinen Alkohol, rauchst nicht. Ist dieser Verzicht rein religiöser Natur?

Elisabeth: Es ist für mich kein Verzicht. Nicht zu essen oder zu trinken wäre für mich ein Verzicht. Ich mache es auch nicht, weil Gott es mir verbietet. Ich trinke keinen Alkohol und rauche nicht, weil ich überzeugt bin, dass es nicht gut für mich ist. Ich tue nichts, das mir schadet. Das entspricht nicht meinen Prinzipien. Und in diesem Fall gibt mein Glaube mir Recht. Ich denke, dass auch rein religiöse Motive eine persönliche Überzeugung benötigen, damit man sie aufrecht halten kann. Sonst bleiben sie nur Vorsätze.

Kaneza Initiative: Prinzipien bestimmen dein Handeln hat man manchmal das Gefühl. Bist du streng mit dir selbst?

Elisabeth: Ja, bin ich oft und ich finde es nicht schlimm. Wenn ich mir Ziele setze, möchte ich sie auch erreichen. Ich stelle dann hohe Erwartungen an mich selbst. Disziplin ist dabei sehr wichtig. Ohne ein großes Maß an Disziplin wäre ich nicht da wo ich heute bin. Disziplin ist das was dich weiterbringt, wenn Interesse und Kraft nachlassen. Es ist immer verbunden mit einer Vision, also der Frage: Wo möchte ich hin und wohin nicht? Wenn du deine Ziele kennst, fällt es dir leicht entsprechende Entscheidungen zu treffen. Auch wenn es für eine gewisse Zeit Anstrengungen bedeutet.

Kaneza Initiative: Sind das auch teilweise deutsche Tugenden, die du dir angeeignet hast?

Elisabeth: Ich wurde ja größtenteils hier sozialisiert, also macht das Sinn. Andererseits wurden mir zu Hause genau diese Prinzipien vorgelebt. Bildung und Fleiß waren die obersten Gebote bei uns. Als wir in Deutschland ankamen, lag das Leben, das sich meine Eltern für sich und uns Kindern aufgebaut hatten in Trümmern. Sie mussten hier von null anfangen, mit vier kleinen Kindern. Sie haben uns immer zu daran erinnert wie wichtig es ist Ziele zu definieren und sie zu erreichen. Ich habe großen Respekt vor ihren Leistungen.

Kaneza Initiative: Wann hast du das Ruder übernommen, um über deine Zukunft selbst zu entscheiden?

Elisabeth: Das habe ich schon immer getan. Meine Familie unterstützt mich bis heute sehr in allem was ich tue. Solange ich gute Noten hatte, konnte ich mich als Schülerin vielfältig engagieren. Meine Eltern hatten irgendwann die Befürchtung, dass ich nichts mehr für die Schule mache, weil ich in der Schülervertretung und in anderen Vereinen aktiv war. Jede Woche hatte ich Programm. Das war unser Kompromiss.

Kaneza Initiative: Also Engagement für Leistung?

Elisabeth: Eher, nach der Arbeit kommt das Vergnügen.

Kaneza Initiative: Würdest du dich denn als Workaholic bezeichnen?

Elisabeth: Das klingt immer so negativ. Ich würde sagen, dass ich mich neuen Herausforderungen gerne stelle und es mir Freude bereitet spannende Aufgaben anzupacken.

Kaneza Initiative: Wir fragen uns ja manchmal schon wie du so viele Aufgaben gleichzeitig managen kannst. Wie machst du das?

Elisabeth: Ich nehme mir Zeit dafür. Da steckt nicht mehr dahinter. Du musst Prioritäten setzen. Zu meinen Prioritäten gehört, dass ich meine Aufgaben und Ziele gewissenhaft verfolge. Wenn ich dafür früher aufstehen muss, stehe ich früher auf. Wenn es länger dauert, dauert es halt länger. Mir ist aufgefallen, dass es einige Personen irritieren kann. Sie sagen dann „Du bist ein Workaholic. Du hast keine Freizeit. Du lebst dein Leben nicht ausgelassen genug.“ Ich habe Freizeit. Ich schulde jedoch niemanden eine Erklärung darüber warum ich es sinnvoller finde an meinem freien Tag mit einer Schulklasse über die berufliche Zukunft zu sprechen oder entwicklungspolitische Bildungsarbeit zu tätigen, als in der Sonne zu sitzen. Wer das nicht versteht, versteht mich als Person nicht.

Kaneza Initiative: Ärgern dich solche Reaktionen sehr?

Elisabeth: Sie ärgern mich nicht. Ich finde sie unnötig, weil ich meine Zeit besser nutzen könnte, als mich zu rechtfertigen. Menschen, die sich engagieren und etwas verändern möchten, brauchen in unserer Gesellschaft viel Mut. Wenn du ein Zeichen setzt oder Farbe bekennst, kannst du gleich davon ausgehen, dass nachgefragt wird warum und weshalb du das tust. Die Changemakers dieser Welt sind leider noch eine Minderheit. Meine Reaktion ist immer jemanden zu ermutigen, der etwas bewegen möchte. Das Gegenteil käme mir nicht in den Sinn.

Kaneza Initiative: Von deinen eigenen Teams forderst du Eigeninitiative, deinen Mentees lebst du vor, dass sie ihre Zukunft eigenverantwortlich und erfolgreich gestalten können. Bist du zufrieden mit deiner Arbeit?

Elisabeth: Woran ich gerne mehr arbeiten möchte, ist Engagement und Bildung zu fördern. Was mir jedoch Sorgen bereitet, ist das wachsende Gefühl der Unsicherheit bei der jungen Generation. Geld, Geld und nochmal Geld, bekomme ich immer mehr zu hören, wenn es  um die eigene Zukunft geht. Das Bedürfnis ein Smart-Phone, die neuesten Schuhe oder den Flat-Screen zu besitzen und die Angst davor materiellen Status zu verlieren, scheint viele junge Menschen mehr zu bewegen als die eigenen Zukunftsperspektiven.  Jugendliche aus bildungsfernen Familien müssen wir uns besonders widmen. Wir müssen also Bildungsangebote attraktiv und den unmittelbaren Nutzen für jungen Menschen sichtbar machen. Es bleibt dabei: Vorbilder sind wichtig. Deshalb wird vor allem die Kaneza Initiative mehr Begegnungen dieser Art ermöglichen, um junge Menschen zu ermutigen den Bildungsweg als langfristige Investition zu sehen. Nur so gelingt der soziale Aufstieg nachhaltig.

Kaneza Initiative: Eine letzte Frage. Wir werden oft gefragt wie eine kleine Initiative wie unsere es schafft die vielen Angebote bereitzustellen. Die Förderung der Kaneza Initiative wird überwiegend durch den persönlichen Beitrag von dir und anderen Mitstreitern ermöglicht. Wie genau funktioniert das?

Elisabeth: Es ist ganz einfach. Ich engagiere mich für meine Initiative mit den Kapazitäten, die mir zur Verfügung stehen. Keiner von uns ist reich. Wir machen auch keine großflächigen Fundraising-Kampagnen. Mir ist wichtig Eigenverantwortung zu verkörpern und das vermitteln wir auch unseren Mentees und Teilnehmenden. Es gehört quasi zum Empowerment-Konzept. Die Mentoren, Mentees und Referenten werden gefordert. Sie bringen Zeit, Energie und Kreativität in die Projekte ein. Wir zeigen damit, dass unser Empowerment uns etwas wert ist und das wir bereit sind dafür einen Beitrag zu leisten. Das Resultat sind gebündelte Kräfte. Nur so können wir unsere Vision umsetzen.  Ich kann aber nicht nur sitzen und erst einmal darauf warten, dass mir jemand Geld für meine Vision gibt. Deshalb sage ich es immer wieder und wiederhole es gerne nochmal: Wir brauchen einen „shift of mindset“. Wenn du etwas erreichen möchtest, musst du bereit sein etwas zu investieren. Das tue ich. Das tun wir.

Kaneza Initiative: Liebe Elisabeth, danke für das Interview. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Aufgaben.

Elisabeth: Danke für euer Engagement.

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