Eröffnung der Internationalen Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung in Deutschland

June 11, 2016
Posted by:Kaneza.org

Am 7. Juni 2016 wurde die Internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung im Beisein des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Menschenrechte mit der Fachveranstaltung “Menschenrechte in der Praxis: Erfahrungen von Menschen Afrikanischer Abstammung in Deutschland” in Berlin eröffnet. Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und Engagement Global richteten die Veranstaltung gemeinsam aus.

D70_3888 copy

Mactar Ndoye, Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte (Foto: Peter Groth)

In seiner Funktion als Stellvertreter des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Menschenrechte, begrüßte Mactar Ndoye die Eröffnung der Dekade in Deutschland. Er wies darauf hin, dass es sich um die erste Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung handle. Die Forderungen nach Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung seien daher sehr bedeutsam. Ihre Umsetzung sei nur mit noch stärker aufeinander abgestimmte Anstrengungen zu erreichen, mit dem Ziel rassistische Diskriminierung zu bekämpfen und den gesellschaftlichen Beitrag von Menschen Afrikanischer Abstammung zu würdigen.

D70_3925 Kamara

Moctar Kamara, Vorsitzender des Zentralrats der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland (Foto: Peter Groth)

Zur historischen Eröffnung der Internationalen Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Afrikanischen Gemeinde, Moctar Kamara: “Unter Anerkennung verstehen wir – Menschen Afrikanischer Abstammung – die Rehabilitierung der Geschichte Afrikas und die Wiederherstellung der Würde von Menschen afrikanischer Herkunft, die durch kolonial-rassistische Ideologien und Unterdrückung dauerhaft beschädigt wurde.”

D70_3912 Lüders

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Foto: Peter Groth)

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung der Dekade: “Die Internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung erinnert an die massive Diskriminierung, an Ausgrenzung und Rassismus, die viele immer wieder erleben. Wir sehen die Dekade darum als große Chance, für Aufklärung und Wissen zu sorgen und Menschen, die Diskriminierung erfahren, zu bestärken und zu unterstützen. Dafür ist es wichtig, die Perspektive afrikanischstämmiger Menschen ins Zentrum zu rücken: Ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung, ihre Forderungen an Politik, Gesellschaft und Kultur.“

Anita Reddy, Bereichsleiterin für Bildungsprogramme bei Engagement Global, betonte, dass für die Erreichung der Ziele der Dekade Vorurteile gegenüber Menschen Afrikanischer Abstammung abgebaut werden müssen. Diese seien oft ein Resultat von undifferenzierten und rassistischen Bildern. Entwicklungspolitische Bildung habe das Potenzial diese Vorurteile abzubauen, so Reddy.

D70_3922 Reddy

Anita Reddy, Bereichsleiterin für Bildungsprogramme bei Engagement Global gGmbH (Foto: Peter Groth)

Menschen Afrikanischer Abstammung gehören seit Jahrhunderten zu Deutschland. Dennoch sind sie zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. Die Forderungen der Dekade nach Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung richten sich daher in erster Linie an Staaten. Entscheidungsträgerinnen und -träger sind aufgerufen, rassistische Diskriminierung zu erkennen und zu bekämpfen. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Karamba Diaby (SPD) forderte politisches Handeln, um Chancengleichheit für Menschen Afrikanischer Abstammung zu schaffen.

D70_3948 Diaby

Dr. Karamba Diaby, MdB (Foto: Peter Groth)

“Die UN-Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung hält uns Politikerinnen und Politikern aber auch der gesamten Bevölkerung vor Augen, was viel zu lange ignoriert worden ist: Menschen Afrikanischer Abstammung sind überproportional von rassistischer Diskriminierung betroffen. Für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist es wichtig, Gerechtigkeit zu schaffen und Konzepte zu entwickeln, um allen Menschen die gleichen Chancen zu bieten.“

Die Fachvorträge wurden von Herrn Dr. Hendrik Cremer (Deutsches Institut für Menschenrechte), Virginia Wangare-Greiner (Maisha e.V.) und Lioba Hirsch (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.) gehalten. Dr. Cremer zeigte auf, dass Menschen Afrikanischer Abstammung besonders unter der Praxis des “Racial Profiling” leiden und forderte die Abschaffung von diskriminierenden Personenkontrollen durch die Polizei.

D70_4136 Cremer

Dr. Hendrik Cremer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Institut für Menschenrechte (Foto: Peter Groth)

„Schwarze Menschen sind in Deutschland besonders von diskriminierenden Personenkontrollen durch die Polizei betroffen. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat in seinem aktuellen Urteil klargestellt, dass Personenkontrollen gegen das in Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz verankerte Verbot rassistischer Diskriminierung verstoßen, wenn die Hautfarbe der Betroffenen mitentscheidend für die Durchführung einer Personenkontrolle ist. Die dem Fall zugrundliegende Ermächtigungsgrundlage für Personenkontrollen, § 22 Absatz 1 a) Bundespolizeigesetz, wurde bereits mehrfach von europäischen und internationalen Menschenrechtsgremien zum Schutz vor Rassismus kritisiert. Die Regelung sollte daher gestrichen werden”, sagte Cremer.

Die Vereinten Nationen haben die Internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung für den Zeitraum 2015 bis 2024 ausgerufen. Die Kaneza Initiative für Dialog und Empowerment koordiniert in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde, der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen die Aktivitäten für die Durchführung der Dekade.

images

IBAN: DE07 3906 0180 1704 0900 10 | BIC: GENODED1AAC

Unknown